82 Unsere Leitlinie war dass wir die Diagnose keinesfalls als Selbstzweck verwenden wollen sondern stets die Frage wozu die Ergebnisse erhoben werden mitdenken müssen Bei der Durchsicht der zahlreichen und teilweise sehr gu ten Print und Online Diagnoseverfahren die viele Schul buchverlage für die schriftlichen Fächer teils sogar für die gesamte Sekundarstufe I anbieten fiel uns auf dass Diagnosetools zwar sehr ausgefeilt sind die Maßnahmen zur Behebung von Defiziten oder Unterstützung von Stär ken aber noch große Mängel aufweisen da häufig nicht de tailliert und differenziert auf einzelne Diagnoseergebnisse eingegangen sondern eher pauschal gefördert wird So ein System das Kolleginnen und Kollegen in einem vollen Schul alltag mit Recht nicht mittragen würden wollten wir nicht implementieren Daher war es notwendig das Projekt zu modifizieren Es stand die Frage im Raum welche Ursachen Lernschwierigkeiten zugrunde liegen und an welchen Punk ten angesetzt werden kann um ein reibungsloseres Lernen zu ermöglichen Neben den kognitiven Persönlichkeitsmerk malen wie z B Intelligenz oder den nicht kognitiven Persön lichkeitsmerkmalen wie z B Motivation und Leistungsängst lichkeit die nur sehr schwierig bis gar nicht zu beeinflussen sind nahmen wir Situationsmerkmale wie z B das Schul oder Klassenklima und die Interaktion von Personen und Situationsmerkmalen die leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler mit hohem Anspruchsniveau oder mit Prüfungs angst sowie die Leistungsbeurteilung durch benotete Prüfun gen in den Fokus Systemische Faktoren wie Leistungsbeur teilungen müssen in ein Instrumentarium integriert werden das eine Diagnose ermöglicht in deren Nachgang Lern schwierigkeiten abgebaut werden können Wie viele andere Gymnasien auch haben wir in der Erprobungsstufe ein Kon zept zum Lernen lernen implementiert das bisher eher auf kognitive Aspekte ausgerichtet war Hier setzten wir an um ein Diagnosetool inklusive Methoden und Material zu entwickeln das sich mit den Situationsmerkmalen bzw der Interaktion von Personen und Situationsmerkmalen befasst Nur wenn Kinder sich in der Klasse bzw der Lernumge bung allgemein wohlfühlen ist Lernen ohne Stress und mit Spaß möglich Unser Ziel musste umformuliert werden Vom fächergebundenen Diagnoseziel entwickelten wir uns hin zu einem methodischen Instrumentarium zum selbstgesteuer ten Lernen z B Lerntypdiagnose Lernstrategien und effizi ente Planung der Lernzeit und zur weiteren Ausbildung sozi aler Kompetenzen um ein Bewusstsein für eigene Stärken und Schwächen zu schulen z B Konfliktfähigkeit Selbstbe wusstsein und Kommunikationsfähigkeit Kurz Wir möch ten die Schülerinnen und Schüler befähigen ihre Zukunft selbstverantwortlich zu gestalten und zu kleinen Helden ihres immer komplexer werdenden Alltags zu werden 6 3 Implementation eines Diagnoseverfahrens und Methodenkompendiums im Bereich soziales Lernen Lernen lernen in der Erprobungsstufe Überwindung struktureller Herausforderungen Rut Fröhlings Albert Martmöller Gymnasium Witten Am Albert Martmöller Gymnasium in Witten besteht seit mehreren Jahren ein sehr gut funktionierendes Konzept zur individuellen Förderung aus Förderbändern überwiegend für Schülerinnen und Schüler mit Lern und Leistungsschwie rigkeiten in den Fächern der Fachgruppe I Deutsch Mathe matik erste Fremdsprache zweite Fremdsprache aber auch als Begabtenförderung in Mathematik in den Klassen 5 und 6 Im sechsten Jahr setzen wir nun unsere Lernpoten zialkurse um in denen alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 7 nach Neigungen Interessen und Begabun gen in einem breit gefächerten Angebot gefördert werden Dieses Konzept haben wir im Rahmen unserer Teilnahme an der ersten Förderphase des Projektes Lernpotenziale erar beitet Nun werden Lernpotenzialkurse angeboten die ent weder aus der Fächergruppe II z B Informatik Geschichte Physik stammen oder der Theaterpädagogik Deutsch Eng lisch bzw dem Fach Sport zuzuordnen sind Diese Stunden für das Förderkonzept werden aus den für alle verbindlichen und den zusätzlichen Ergänzungsstunden realisiert Den Be reich Lerncoaching konnten wir dank der Zusammenarbeit und dem Austausch mit anderen Gymnasien die ebenfalls an der ersten Förderphase des Projektes Lernpotenziale teilnahmen bereits aufbauen In der zweiten Förderphase des Projektes Lernpotenziale stand für uns das noch fehlen de Modul Diagnostik aus Vom Handlungsfeld Diagnostik erhofften wir uns eine noch gezieltere Förderung sowohl in Lernzeiten und Lerncoaching als auch im Unterricht um die Schülerinnen und Schüler in Zukunft noch passgenauer fördern zu können Dies sollte in Form einer Entwicklung von praktikablen und alltagstauglichen Diagnosemethoden für die Sekundarstufe I erfolgen die möglichst anwendbar für alle schriftlichen Fächer sind und zur Optimierung des Förderkonzepts und des Unterrichts dienen Um Neuerungen im Schulleben einzuführen und zu veran kern ist es uns immer wichtig keine Papiertiger zu erschaf fen die auf der Homepage gut aussehen sich im Alltag aber als untauglich erweisen Daher stellte sich bald die Frage welchen Nutzen wir aus der Diagnose allgemein und vor al lem ganz konkret ziehen wollten Was nimmt die einzelne Schülerin der einzelne Schüler aus dem Diagnoseverfahren und dem Ergebnis mit Was ist für die Eltern relevant Wie nutzen Lehrerinnen und Lehrer das Ergebnis Können wir alle Kolleginnen und Kollegen auf dem Weg zur Diagnose mitnehmen Kurz Wie wollen wir die Erkenntnis passgenau und effizient im Unterricht einsetzen und nutzen 6 Strukturelle Implementierung

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