12 2 Beteiligung Bereits in der Darlegung des ersten Pro zessschritts klang die partizipative Dimen sion von projektbasierter Schulentwick lung an Da Eltern Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer notwendig aus voneinander abweichen den Standpunkten Schule wahrnehmen und deuten dif ferieren auch ihre Ansätze Motive und Prognosen bezüg lich jedes nur denkmöglichen Schulentwicklungsvorha bens Damit ist eine nie versiegende Quelle für kreative Transformationsprozesse für manchmal verblüffend ein fache Lösungen für originelle Synergien aber auch für dys funktionalen Streit benannt Gerade weil Multiperspektivi tät und Multiprofessionalität Schulentwicklung determinie ren begünstigt die sinnstiftende Beteiligung der genannten Personengruppen den Erfolg Wir wollen das eben Entfaltete anhand des Begriffs individu elle Förderung etwas tiefer durchdringen Vorrangig Eltern sowie Schülerinnen und Schüler neigen dazu unter indivi dueller Förderung wirkungsvolle Maßnahmen zu verstehen die eine bestenfalls schon kurzfristig eintretende Leis tungssteigerung der einzelnen Schülerin bzw des einzelnen Schülers ermöglichen sollen Nicht wenigen Lehrkräften ist dieser pragmatische Förderimpetus zu kurz gefasst Indivi duelle Förderung bedeutet für sie eher eine Subjektorien tierung die mit einem Kompetenzerwerb einhergeht der über die rein fachliche Ebene hinausragt Als Schlagwörter lassen sich unter anderem Eigenverantwortlichkeit Koope ration Selbstregulation Lerninteresse Problemlöse oder Methodenkompetenz anführen Die hier zugegebenermaßen stereotyp zugespitzten Positionen schließen einander nicht aus Um aber synergetische Verbindungen zu ermöglichen müssen möglichst alle Blickwinkel vorgetragen und von al len aufrichtig nachvollzogen werden Mit anderen Worten Ein ausschließlich von Lehrerinnen und Lehrern besetztes Gremium ist für die Durchführung erfolgreicher Schulent wicklungsprojekte denkbar ungeeignet Partizipation bedarf Geduld Langfristig aber zahlt sich die investierte Zeit mindestens vierfach aus Erstens steigt die Unterstützung für das entsprechende Schulentwicklungsvorhaben bei allen an Schule beteilig ten Gruppen Zweitens minimiert die Einbindung von Eltern Schüle rinnen und Schülern in Schulentwicklung die Gefahr dass Lehrerinnen und Lehrer aus einer Systemblindheit heraus naheliegende effiziente oder unkonventionelle Lösungs ansätze übersehen Drittens gibt es im Schulkontext kaum authentischere Gelegenheiten demokratische Kompetenz in der Praxis zu entfalten und zwar auf allen Seiten noch nie über Leitbilder nachdachten dürften implizite Leitbildskizzen zirkulieren Die Arbeit an einem Leitbild dessen inhaltliche Ausschärfung und verbale Pointierung ist eine wertvolle Gelegenheit zur transparenten Standortbe stimmung Nach innen gerichtet reagieren unterschiedliche Gruppen der Schulgemeinschaft verschieden auf die Leit bilddiskussion und dessen Umsetzung im Alltag Resonanzen und besonders Dissonanzen bieten Anlass weiter an dem Leitbild zu feilen und die Identifikation mit diesem und der Schule zu erhöhen Nach außen gerichtet bezieht ein Leit bild Position weckt Erwartungen bewirkt Gesprächsanlässe und schärft das Schulprofil Der Begriff der individuellen Förderung ist prädestiniert Element eines Leitbildes zu sein Fragen Sie Schülerinnen und Schüler fragen Sie Lehrerinnen und Lehrer fragen Sie Eltern ob Sie für individuelle Förderung sind Sie werden bei Ihrer Umfrage Zustimmungsraten erhalten die an Wahl ergebnisse in totalitären Systemen erinnern Und schon setzen die Probleme ein Denn wenn Sie nachfragen was der oder die Befragte unter individueller Förderung konkret versteht erhalten Sie höchst heterogene Antworten Sehen manche in dem Begriff ein Synonym zum pädagogischen Ter minus Binnendifferenzierung bedeutet individuelle För derung für andere die defizitorientierte pädagogische und temporäre Maßnahme am Einzelnen Der nächste wendet den Begriff auf Gruppen an die zuvor homogenisiert wur den Dem übernächsten bedeutet der Begriff vor allem stär kenorientiertes Fordern Manche referieren mit dem Begriff individueller Förderung auf die facettenreiche Passung des Lehr Lern Angebots Pragmatische Rechner verquicken ihre Definition mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen Ich breche an dieser Stelle ab und merke an dass beispiels weise in einer Debatte um Lernzeiten die individueller Förderung dienen sollen vor dem soeben nur schraffierten Bedeutungsspektrum ein hohes Risiko für Missverständnisse inhärent ist Dieses Risiko lässt sich minimieren Dazu muss erstens in einem vorgelagerten Diskurs mit Vertreterinnen und Vertretern der an Schule beteiligten Akteursgruppen das Bedeutungsspektrum von individueller Förderung sicht bar gemacht werden Das Bedeutungsspektrum verlangt zweitens nach einer situationsbezogenen Eingrenzung Im Leitbild sind drittens transparent und verlässlich pädagogi sche Ziele und Kriterien zu formulieren die an den definier ten Begriff individuelle Förderung anknüpfen Damit steht um bei unserem Beispiel zu bleiben die Diskussion um die Konzeption von Lernzeiten noch immer am Anfang Aber sie vollzieht sich nun auf einem nicht nur terminologisch festeren Untergrund I L B Q E K Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

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